Übertiefe Bodenbearbeitung im Gartenbau

Ein praktisches Betätigungsfeld unserer “Forschungsgemeinschaft neue Gartenstadt” (siehe “über uns“) ist die Frage, ob sich eine Bodenbearbeitung von gut 40 bis 80 Zentimeter Tiefe (sogenanntes Holländern oder Rigolen), positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirken kann. Gartenbauexperten, wie John Jeavons (Direktor des Ecology Action Centers in Willits, Kalifornien), behaupten, dass mit derartigen Methoden Ertragssteigerungen von ca. 100 Prozent möglich sind. In seinem Institut entwickelte er dazu eine spezielle Technologie.  Dies ist die biointensive Gartenbaumethode nach John Jeavons – GROW BIOINTENSIVE®.

Dieser biointensive Gartenbau wurde von uns bereits über fünf Vegetationsperioden erprobt. Die sehr hohen Erträge auf kleinen Flächen konnten bestätigt werden. Dabei wurden keinerlei Kunstdünger eingesetzt. Es wurde aber auch festgestellt, dass dieses Muster-Anbausystem, welches speziellen wissenschaftlichen Kriterien folgt, relativ aufwändig an Handarbeit ist.
Die Umsetzung dieser Tiefbeetkultur (Man spricht auch von Tiefkulturbeeten) bietet jedoch die Möglichkeit, Anbauland quasi ohne zusätzliche Flächenerweiterung zu vergrößern, indem man das vorhandene Areal in der Tiefe effektiver nutzt, beziehungsweise “erweitert”. Dieses Konzept kann somit einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Schonung der natürlichen Umwelt leisten. Allerdings sollte es je nach regionalen Umständen und örtliche Klimaverhältnisse modifiziert und weiterentwickelt werden, da wir die Jeavons-Methode mehr als ein allgemeines Muster-Anbausystem verstehen.

Ausgehend von Jeavons biointensiver Gartenbaumethode richtete sich unsere Forschungstätigkeit auf historische, vergleichbare Anbautechniken in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, und in Norddeutschland. In diesen Ländern wurden im 18. und 19. Jahrhundert mit ähnlichen Anbaumethoden, vergleichbar hohe Erträge generiert. Erst mit der Einführung von Agrochemie, zunehmender Mechanisierung und Gemüsebau unter Glas und Folie, gerieten die Methoden der übertiefen Bodenbearbeitung (Tiefkulturbeete) ins Hintertreffen und fanden immer weniger Beachtung.
Heute wird von vielen Agrarwissenschaftlern die tiefe Bodenbearbeitung ohnehin  kritisch gesehen. Dadurch ist aber auch im Kleingartenbereich das “No-dig-gardening“, das “Gärtnern ohne Umzugraben” sehr in Mode gekommen, was durchaus verständlich ist, da solch alternative Anbaumethoden Arbeitserleichterung versprechen. Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, dass der auf tiefe Bodenlockerung basierende Gartenbau, ebenfalls eine hocheffiziente Anbaumethode ist.

Unser derzeitige Arbeit konzentriert sich zunächst noch darauf, die gartenbauliche Tiefbeetkultur (wie auch das Gegenkonzept) genau zu beschreiben und zu definieren. Diese Beschreibung schließt natürlich die Erprobung in der Praxis mit ein. Von diesem Erfahrungswissen ausgehend, wird es dann möglich sein, korrekt Schlussfolgerungen zu ziehen und Empfehlungen auszusprechen. [2I26.01.24]


Zählpixel — Thomas Jacob, 20.11.2023